Handweberei "Henni Jaensch-Zeymer" Inh. Ulla Schünemann


Inhaberin Ulla Schünemann

Die Handweberei Geltow im Spiegel der Medien

Bauhausmotive vom Webstuhl

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Künstlerin Henni Jaensch-Zeymer wird mit Festwoche geehrt

Als der jugoslawische Schauspieler Gojko Mitic 1972 in der Rolle des Shawnee-Häuptlings Tecumseh durch die trockenen Prärien des gleichnamigen Defa-Streifens ritt, trug er einen handgewebten Poncho aus Geltow.

Henni Jaensch-Zeymer, die sich hier 1938 in einer ehemaligen Gaststätte, einen Steinwurf vom Havelufer entfernt, niederließ, um ihre Handweberei zu eröffnen, konnte damals noch nicht ahnen, dass sie den Grundstein zu einer Familientradition legte. Ebenso wenig, dass ihre Werkstatt nach Nationalsozialismus, DDR-Zeit und Wende zum größten Touristenmagnet des Ortes werden sollte.

Neben dem Museumsbetrieb spezialisiert sich die nunmehr größte Handweberei Deutschlands mit zunehmendem Erfolg auf die Fertigung handgesponnener, -gewebter und -geschneiderter Kleidung. Stilistisch weiterhin in der Linie der Gründerin, die in den 30er Jahren bei der ehemaligen Bauhausschülerin Else Mögelin die 'Kunst des Weglassens' erlernte: ohne Schnörkel, elegant und zurückhaltend.

Als Wandervogel zog es die Berliner Künstlerin damals immer wieder aufs Land. Nach dem gescheiterten Versuch einer Kunsthandwerker-Kommune bei Neuruppin, bezog sie Quartier in Geltow.

Wäre Henni Jaensch nicht hochbetagt 1998 gestorben - sie entschlief sanft unter den Brombeerbüschen in ihrem Garten - hätte sie gestern ihren 100. Geburtstag feiern können. Aus diesem Anlass veranstaltet Handwebmeisterin Ulla Schünemann, die zwischen den Webstühlen aufwuchs und 1987 den Betrieb übernahm, dieser Tage eine Festwoche, die am Freitag mit einem der mittlerweile traditionellen Hauskonzerte ihren Abschluss findet. Um 18 Uhr gibt es den 'Schwanensee ohne Schwan' in einer Interpretation mit Gesang und Harfe.

“Die Wende war für Henni Jaensch das Schlimmste, was sie in ihrem Leben erlebt hat', erläutert die Webmeisterin. 'Mit der Währungsunion schien es, als ob hier Schluss wäre. Wir hatten die Waren immer mit der Post verschickt, und die Pakete, die nun erst am 1. Juli 1990 ankamen, mussten plötzlich in D-Mark bezahlt werden - die Waren kamen fast alle zurück, das konnte sich kaum jemand mehr leisten.”

Im selben Herbst musste fast das ganze Personal des Betriebs, der die gesamte DDR-Zeit in Privatregie überstanden hatte, entlassen werden.

Seitdem die Künstlerin 1949 offiziell zur 'Kunstschaffenden im Handwerk' erklärt wurde und Ausstellungen in der DDR und im osteuropäischen Ausland bestritt, galt auch die sonst übliche Preisbildung für sie nicht mehr. Lediglich Lohntarife und die Zahl der Beschäftigten war vom Staat vorgeschrieben.

Dass die Westmark der Weberei dennoch nicht das Genick brach, ist einem Zufall zu verdanken: 1991 besuchte Karin Teske aus Westberlin eines der Hauskonzerte, zu denen meistens Freunde von Henni Jaensch musizierten. Bald schwärmte sie von den hochwertigen Stoffen, die in Geltow produziert wurden und begeisterte sich für die Werkstatt, in der noch an teilweise mehr als 300 Jahre alten Webstühlen gearbeitet wurde. Dies alles sollte keine Chance mehr haben auf dem freien Markt zu überleben?

Ihr kam die Idee zur Rettung: Der Hof wurde zum Museum. Gleichzeitig konnte schon bald mit Mitteln des europäische Sozialfonds der Ausbildungsbetrieb für einige Arbeitslose aus der Region wieder aufgenommen werden. Im Schnitt besuchen seither jedes Jahr 2500 Menschen das Kunsthandwerksmuseum.

Mittlerweile arbeiten dort auch wieder fest angestellte Mitarbeiter. Wirtschaftlich geht es bergauf, und Ulla Schünemann ist es gelungen, eine Familientradition zu installieren: Hatte es 1943 - nach einer Statistenrolle für den UFA-Film 'Auf zu neuen Ufern' - ihre Mutter, die Weberin Annemarie Schünemann, ans Havelufer in die Werkstatt der Künstlerin verschlagen, gab Ulla Schünemann nunmehr die Tradition an ihre eigene Tochter Bianca weiter.

Auch die Zukunft lässt hoffen: Zwei Jahre ist Annemarie Schünemanns Urenkel Johannes erst alt, und schon spielt er vergnügt am Spinnrad.


Artikel von OLAF BRUNS GELTOW zitiert nach Märkische Allgemeine (regional) vom 21. 07. 2004