Handweberei "Henni Jaensch-Zeymer" Inh. Ulla Schünemann


Inhaberin Ulla Schünemann

Die Handweberei Geltow im Spiegel der Medien

Die Klassikerin des Webens

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Henni Jaensch-Zeymer wäre heute 100 Jahre alt geworden

Die langstieligen Stockrosen reichen bis zur Dachrinne des kleinen Hauses, das schon mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel hat. Die Stockrosen hat man auch deswegen gern, weil sie hier seit vielen Jahren im Sommer neben den Hausbewohnern den ersten freundlichen Willkommensgruß für die Gäste bereithalten. Und sie kamen und kommen zahlreich. Vor allem dann, wenn aus dem ehemaligen Gastraum - im Haus hatte lange vor dem Zweiten Weltkrieg Geltows Dorfkrug sein zuhause – zarte Cembaloklänge oder geschmeidige Oboentöne erklingen. Henni Jaensch-Zeymer, die einstige Chefin des Hauses, hat hier eine wunderbare Tradition ins Leben gerufen: Musikabende, zu denen sie ihren großen Freundeskreis mehrmals im Jahr zu sich bat. Und dann kamen sie, Jahr für Jahr: der Gambist Siegfried Pank, die Oboer Karl Butthof, und Burkhard Glaetzner, die Cembalistinnen Christine Schornsheim und Inge Lindner, die Kirchenmusikerin Thea Labes, der Theologe und Trompeter Heiner Ullmann oder das Potsdam-Duo mit Christian Lau und Axel Elter. Die Muse Euterpe war hier stets willkommen. Ulla Schünemann versucht, diese Tradition weiter zu führen. So wird es heute um 18 Uhr ein Konzert in den Räumen in der Geltower Straße Am Wasser 19 geben. Alexandra Voß-Teschke, Blockflöten, Johannes Schütt, Fagott, und Susanne Wikarski, Cembalo musizieren zu einem besonderen Anlass: vor 100 Jahren, am 7. Februar, wurde Henni Jaensch-Zeymer geboren.

Verehrt wurde sie von vielen wegen ihrer Liebe zur Musik - besonders zu der aus der Barockzeit –, gefürchtet wegen ihres oft scharfen Urteils, berühmt aber wurde sie wegen ihrer Profession, der Kunst des Webens. Die Weberin Henni Jaensch-Zeymer war neben der Erfurterin Grete Reichardt d i e Klassikerin in ihrem Kunsthandwerk. Die in Berlin Geborene kam als junges Mädchen in die Siedlung Gildenhall bei Neuruppin, wo sie Weben lernte. Danach richtete sie sich in Rangsdorf ihre erste eigene Werkstatt ein. Doch der Platz wurde zu eng. In Geltow fand sie den freistehenden Alten Krug. Sie richtete sich im Gastraum und in den Tanzsaal ihre Werkstatt ein. Die Bühne verwandelte sie zu Wohnräumen. Von nun an hatten die Webstühle viel Platz. Seit Jahrhunderten hat sich an der Webwerkstatt kaum etwas geändert. Auch Henni Jaensch-Zeymer hielt daran fest, nicht anders ihre Nachfolgerin Ulla Schünemann, die bei ihr in die Lehre ging und Meisterin ist. Auch heute ist hier noch das rhythmische Klappern der Webstühle zu hören. Wie früher treten die Weberinnen die hölzernen Tritte, bewegen damit abwechselnd mal die gerade, mal die ungerade Zahl der Kettfäden nach vorn, während die Spule mit dem Schussfaden durch das entsprechende Fach gleitet. Man hört ein gleichmäßiges Treten, Heben und Senken der Fächer, das Durchschießen der Fäden, so heißt es in der Fachsprache, ertönt wie leises Pfeifen. Dem folgt der Anschlag mit dem Webkamm. Schon am Klang kann man erkennen, ob er gleichmäßig ist. Auch das war für Henni Jaensch-Zeymer Musik. Gebrauchsgegenstände - Tischdecken, Handtücher, Schals oder Gardinen – sind von der Altmeisterin in konstruktivistischer Strenge entworfen worden. Ihre Arbeiten verraten den Bauhaus-Stil, den sie bei ihrer Meisterin Else Mögelin in Gildenhall lernte und auch für sich entdeckte. Vor allem erdige Farben - braun, grau oder beige - bevorzugte die Weberin. Ulla Schünemann hat das Programm erweitert. Kleider, Hemden und Blusen werden ebenfalls angeboten. Farbiger sind die Textilien geworden.

Die Handweberei wird gern für Einkäufe genutzt, und bei Besuchen sind die Webstühle, auf denen seit mehr als 200 Jahre Stoffe entstehen, die interessantsten Gegenstände. So ist die Weberei heute ein Aktives Museum, auch eine „Gedenkstätte“ für Henni Jaensch-Zeymer, die am 20. Juli 1998 starb. Hier findet man selbstredend keinen Ort, der mit Andacht betreten sein will, sondern einen lebendigen mit Klängen der Webstühle und Musik. Nur so will Henni Jaensch-Zeymers Andenken bewahrt werden.


Artikel von Klaus Büstrin zitiert nach Potsdamer Neueste Nachrichten vom 07. 02. 2004