Handweberei "Henni Jaensch-Zeymer" Inh. Ulla Schünemann


Inhaberin Ulla Schünemann

Die Handweberei Geltow im Spiegel der Medien

Jenseits der Massenware

zurück zu den Pressestimmen

Besuch bei einer Puppenrestauratorin, einer Handweberin, einem Zinngießer.

Ulla Schünemann betätigt im Sekundentakt das Webpedal, helle Leinenfäden schieben sich vor ihr zu einem Rautenmuster zusammen. „Man muss sich stark konzentrieren bei dieser Arbeit. Ansonsten schleichen sich Fehler ein und der Stoff wird nicht gleichmäßig”, sagt die Handwebmeisterin aus Geltow (Potsdam-Mittelmark). Mit einem lauten Hämmern bewegt sich der Webstuhl von links nach rechts. Eine gute Stunde dauert es meist, bis ein Meter Stoff gewebt ist.

Seit 1987 betreibt die 51-Jährige eine Handweberei. Ihr Beruf gehört zu den ältesten Handwerken der Welt. Bereits um 5000 vor Christus wurden Stoffe gewebt, Funde aus der Jungsteinzeit belegen dies. Ulla Schünemann ist mit dieser uralten Tradition aufgewachsen: Schon ihre Mutter arbeitete in der Geltower Handweberei, war Assistentin von Henni Jaensch, die den Webhof 1939 gründete. Ulla Schünemann verbrachte in den Produktionshallen ihre Kindheit. Die Geschichte der Anlage am Schwielowsee hat sie in einem Album dokumentiert, in dem Fotos und Briefe kleben. „Ich wollte immer einen Beruf ausüben, in dem man seine Hände einsetzen muss. Ein Bürojob kam nie infrage”, erzählt Ulla Schünemann. In Potsdam ließ sie sich zur Facharbeiterin für Textiltechnik ausbilden, spezialisierte sich währenddessen auf die Handweberei.

In den Geltower Produktionshallen werden Hemden, Röcke, Jacken aus Leinen, Seide oder Wolle an Webstühlen und Nähmaschinen produziert. Auch Gardinen, Tischdecken und Möbelbezugsstoffe fertigen die drei Mitarbeiter der Handweberei an. Nach aktuellen modischen Trends richtet sich die Chefin bei der Kreation neuer Stoffe nicht. „Ich arbeite intuitiv”, sagt sie. „Wenn ich das Material geliefert bekomme, schaue ich mir die Farben an, lasse mir spontan Muster einfallen.” Oft greift sie auf Bewährtes zurück, auf Farbkombinationen, die bei Kunden gut ankamen, und denkt sich dazu neue Details aus.

„Wir arbeiten mit hochwertigen Materialien”, sagt sie. „Nur so kann man sich mit einem derart alten Handwerk auf dem Markt behaupten, sich vom Sortiment der Kaufhäuser abheben.” Der älteste der 16 Webstühle in Geltow stammt aus dem Jahr 1717. Die Zahl ist in das Holz eingeritzt. Interessierten Besuchern steht der Webhof auch als Museum offen. Sie können vor Ort den Entstehungsprozess der Kleidungsstücke verfolgen. „Für mich ist es immer wieder faszinierend, dass man mit den eigenen Händen aus einem Faden ein ganzes Stück Stoff werden lässt”, sagt Ulla Schünemann.

Im Jahre 1939 gründete Henni Jaensch die Handweberei in Geltow. Seit 1987 betreibt Ulla Schünemann die Werkstatt. Mit Fördermitteln des Landes und des Europäischen Sozialfonds baut sie dort 1992 das „Aktive Museum – Henni Jaensch-Zeymer” auf. Kleidung, Möbelbezugsstoffe und Gardinen werden hier unter anderem produziert. Kontakt unter 03327/ 55 272 oder www.handweberei-geltow.de


Artikel von amm zitiert nach Märkische Allgemeine vom 12. 06. 2010