Handweberei "Henni Jaensch-Zeymer" Inh. Ulla Schünemann


Inhaberin Ulla Schünemann

Die Handweberei Geltow im Spiegel der Medien

Die "Tausendunddritte Nacht" erwacht

zurück zu den Pressestimmen

Lesung: Ein märchenhafter Streifzug durch das Leben und die Liebe

GELTOW „Ein Tag war aus dem Kalender gefallen und lag vor meiner Tür.“ Er wartete nur darauf, aufgehoben und gelebt zu werden, was Christa Kozik in ihren Versen hingebungsvoll tut. „Mein blauer Tag“ und andere Gedichte nahmen das Publikum in der Handweberei Geltow am Samstagabend mit auf einen nahezu märchenhaften Streifzug durch das Leben und die Liebe der Christa Kozik, vorgetragen von jungen Frauen des Sprecherkreises Potsdam unter der Leitung von Katharina Paulke.

Bekannt ist die Schriftstellerin, Filmszenaristin und Hörspielautorin Christa Kozik durch ihre teils verfilmten Kinderbücher, wie „Moritz in der Litfasssäule“ oder den Jugendfilm „Sieben Sommersprossen“. Weniger populär sind hingegen ihre Gedichte, die in einfacher Sprache verträumte, aber nicht kitschige, sondern berührende Bilder des Alltags zeichnen, mit reichlich Tiefgang, der einen mitunter schlucken lässt, aber auch oft mit einem guten Schuss unterschwelligem Humor. Diese Gedichte waren es, die Sprecherkreis-Mitglied Jana Karafiat nach einer Trennung in die Hände fielen und in die sie sich „verliebt“ hat. „Ich war von jedem einzelnen Gedicht berührt“, erzählt sie. Ihr Vorschlag, ein Kozik-Programm auf die Beine zu stellen, fand die Zustimmung ihrer Mitstreiterinnen.

Die Darbietung in Geltow war die letzte von insgesamt fünf Aufführungen, die der Sprecherkreis seit Einstudieren des Programms 2010 präsentierte. Für Christa Kozik, die allen Darbietungen, so auch am Samstag in Geltow beiwohnte, war dies „ein ganz besonderer Abend“, im Ambiente der Handweberei und so ganz ohne Bühne. Nah am Publikum, in spannendem Wechselspiel rezitierten die fünf jungen Frauen im ersten Teil des Abends Texte aus Christa Koziks Leben, allesamt veröffentlicht und dennoch teils so intim, das man meinen konnte, sie seien dem persönlichen Gespräch entsprungen.

Viele Brücken lassen sich schlagen zwischen Christa Koziks Kriegs- und Nachkriegskindertagen im Thüringischen, wo sie die Schauplätze ihrer Akteure der Andersenschen und Grimmschen Märchen in den Bergen des Saaletals ansiedelte und dem Potsdamer Umland, das zu ihrem neuen Zuhause wurde.

Vor dem Hintergrund der Geschichten erzählenden Scheherazade, die bei Kozik kurzerhand den Spieß umdreht und den Sultan erzählen lässt, widmete sich der zweite Teil des Abends, „Tausendundzweite Nacht“, thematisch dem Zeitalter der Frau, der Emanzipation, der Selbstfindung zwischen Arbeit und Familie, neuen Freiheiten wie dem Tragen kurzer Röcke. Über allem jedoch der Liebe. Einer Liebe, die bei Christa Kozik nicht nur den Männern galt, sondern immer auch den Märchen und den Werken der Weltliteratur. Auch Friedhöfen und den dort begrabenen Persönlichkeiten, wie Brecht, an dessen Ruhestätte sie manchmal eine Blume niederlegte.

Benannt war der zweite Programmteil nach Koziks erstem größeren veröffentlichten Gedichtband, von dem 8000 Exemplare im Zuge der Wende 1989 – wie viele andere in DDR-Verlagen gedruckte Bücher auch – einfach auf der Müllhalde landeten, „auf einer riesigen Halde in Leipzig“, erzählt Christa Kozik. „Kulturbarberei“ nennt sie, was damals geschah. Von dort kaufte sie nach und nach ihre eigenen Bücher zurück. 2001 erschien im Märkischen Verlag Wilhelmshorst dann eine erweiterte Wiederauflage dieses verlorenen Bandes mit dem Titel „Tausendunddritte Nacht“.

Daraus stammten die teils von ihrem Mann, dem Musiker Christian Kozik, vertonten Gedichte, die am Samstag in Geltow gelesen und gesungen wurden und dem Publikum in der Handweberei so manche Erinnerung ins Gedächtnis riefen.


Artikel von Mandy Mamelow zitiert nach Märkische Allgemeine vom 18. 04. 2011